Rhetorik, Power Point und Präsentation: Von den Amis lernen?

Bei einem Coaching zum Thema Rhetorik und Präsentation sagte mir vor einiger Zeit mein Coachee, er würde gerne lernen, so zu präsentieren wie die Amis. Die deutschen Vorträge seien immer extrem anstrengend!
Ich bin jetzt kein absoluter Amerika-Fan war aber natürlich gespannt was das zu bedeuten hatte und ließ mich auf ein Schulbladensystem „deutscher Vortrag“ vs. „amerikanischer Vortrag“ ein….

Hintergrund:
Mein Coachee ist Chefarzt an einer großen Klinik und hatte letztes Jahr auf einem internationalen Kongress ein wichtiges und absolut neues Forschungsergebnis vorgestellt.

Seine Präsentation auf dem Kongress war jedoch nicht von dem eigentlich zu erwartenden Erfolg im Sinne von Anerkennung und Applaus gekrönt.
Einige „Amis“ haben bei der gleichen Veranstaltung viel weniger interessante Inhalte präsentiert und dafür fast schon Standing Ovations bekommen. Übrigens ging das wohl auch anderen deutschen Wissenschaftlern so…
Was war da „falsch“ gelaufen?

„Deutscher Vortrag“ vs. „Amerikanischer Vortrag“
Ein analysierender, zugegeben auch schubladisierender Vergleich „Deutscher Vortrag“ vs. „Amerikanischer Vortrag“ führte zu folgendem Ergebnis:

1) Typisch deutsch: Die verwendeten Slides sind stark von eingebundenen Excel-Tabellen geprägt.
Die hohe Detailorientierung und äußerst dezidierten Angaben fordern vom Zuhörer hohe Konzentration. Diese Konzentration kann von den Teilnehmern gerade bei längeren Kongressen nicht immer gleistet werden.
– „Die Amis“ hingegen haben weniger volle Slides mit mehr Bildern und leicht verdaulichen Grafiken, über die man sogar manchmal lachen darf.

2) Der typisch deutsche Vortrag besteht im wesentlichen aus dem Ablesen der gezeigten Tabellen. Das Ablesen der Slides ermüdet den Zuhörer, da er durch den Vortragenden keinen Zusatznutzen erkennen kann.
– „Die Amis“ erzählen interessante Details und Ausschmückungen, die aber so nicht detailliert auf den Slides stehen.

3) Der „deutsche Vortrag“ fokussiert inhaltlich auf die reine Darstellung der wissenschaftlichen Ergebnisse. Der Vortrag bewegt sich also rein auf der Sachebene. Auch ein Fachpublikum wünscht sich aber eine gewisse Emotionalität.
– „Die Amis“ erzählten kleine Anekdoten von Patienten, Freunden und Verwandten die teilweise schon fast kitschig wirkten.

4) Der „deutsche Vortrag“ bleibt stark im Hier und Jetzt. Er fokussiert rein auf die handfesten Ergebnisse. Zuhörer suchen jedoch immer auch nach der Relevanz und der Verknüpfbarkeit von Information für ihr eigenes zukünftiges Handeln
– „Die Amis“ sparen nicht mit Statements, die unterstreichen, wie ihre Forschung die Welt verbessern wird. Sie nutzen gerne Formulierungen wie: „Imagine“, „Future“, „Impact“.

Vielleicht müssen und sollten unsere deutschen Wissenschaftler nicht immer alles ganz so machen wie ihre amerikanischen Kollegen.
Aber – ich denke die ein oder andere Sache lässt sich für die Aufbereitung eines guten Vortrags abgucken.

Exemplarisch habe ich hierzu einen kurzen „amerikanischen Vortrag“ zum Thema Erfolg vom Richard St. John eingebettet (3min.):

Was können viele deutsche Wissenschaftler für ihre Präsentationen auf Kongressen von solchen amerikanischen Kollegen lernen?

1) Komplexität der Slides reduzieren.
Weniger Excel, mehr einfache Diagramme und Bilder. Nur die wichtigsten Kerninformationen auf Slides aggregieren. Größerer Text (ich empfehle für Kongresse Schriftgröße 20). Fotos und Bilder nutzen.
–>Merksatz: Weniger ist mehr, außer bei der Schriftgröße!

2) Ausgewählte interessante Aspekte lediglich verbal vermitteln
Wichtige Erläuterungen und Geschichten kommen vom Sprecher. Das gibt Raum, um die eigene Persönlichkeit authentisch zu präsentieren und sich selbst als Redner von seiner besten, kompetentesten und auch unterhaltsamsten Art zu zeigen.
–>Merksatz: Slides unterstützen den Redner – sie dürfen ihn nicht ersetzen!

3) Mehr Emotionalität durch eine konkrete menschliche Geschichte
Beispiel: „Ich möchte Ihnen vom Fall Monika M. berichten. Monika M. verstarb im Januar 2006 an zunächst ungeklärter Ursache…“
–>Merksatz: Den Menschen und die Gefühle nicht vergessen!

4) Chancen für die Zukunft aufzeigen
Was bedeutet mein Untersuchungsergebnis für unser zukünftiges Handeln? Wo ist der persönliche Mehrwert aus meinen (Forschungs-) Ergebnissen für jeden einzelnen Zuhörer?
–> Merksatz: Dem Vortrag eine Bedeutung für die Zukunft und die Zuhörer geben!

Die Umsetzung der Erkenntnisse ist harte Arbeit
„Präsentieren wie die Amis“ ist in der Vorbereitung wesentlich aufwendiger. Es geht eben viel schneller ein paar Excel-Sheets zusammen zu kopieren…
But always remember: To become successful you have to persist against failure and c.r.a.p.: Criticism, Rejection, Assholes, Pressure… 😉 (siehe Video)

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